Amazonas – Im größten Dschungel der Welt

Ich lasse Iquitos hinter mir und mache mich gemeinsam mit meinem Kumpel Felix und einem Guide auf den Weg in die Tiefen des Dschungels. Etwa 200km fahren wir auf der ca. 3-stündigen Fahrt mit einem kleinen Boot in den Regenwald, als wir irgendwann am Rande eines kleinen Nebenfluss des Amazonas an einer Holz/Bambushütte andocken. Dort werden wir von einer 4-köpfigen Familie mit zwei Kindern (5 und 7) begrüßt, die uns für die kommenden Tage Asyl gewährt. Es scheint als sei ich ein zweites Mal im Paradies angekommen, nachdem ich dieses bereits 2014 im Inselarchipel San Blas in der panamaischen Karibik fand. Fernab der Zivilisation, ohne Elektrizität und somit Internet inmitten des Amazonas-Regenwaldes, überkommt mich ein Gefühl der puren Freude und Glückseligkeit. Der nächste Nachbar ist etwa 15km entfernt und die einzigen Geräusche, die man wahrnimmt, sind die der Natur. Die beiden Kinder hier wachsen in und mit der Natur auf, schwimmen unter und neben dem Haus, das auf Holzpfählen im seichten Wasser steht. Sie angeln kleine Fische oder spielen mit sich (nein, nicht so!) und der Natur, statt stundenlang auf einen Bildschirm zu starren und sinnlos Zeit im Internet oder vor dem Fernseher zu verschwenden. Sie sind es, die noch lernen, wie kostbar ein gut funktionierendes Ökosystem ist und die Würde der Tierwelt aufrecht zu erhalten. In den kommenden vier Tagen fahren wir mit dem kleinen Holzboot umher oder gehen zu Fuß durch den Regenwald. Dabei entdecken wir Tiere wie Affen, Kaimane, Flussdelfine, Tukane, Opossums oder Vogelspinnen. Bei einer Fahrt mit dem Boot durch dichten Dschungel fällt eine Vogelspinne von einem Strauch, den wir streifen, in unser Boot. Sie gesellt sich für einige Stunden zu uns und wir lassen sie – nachdem der Guide uns ermutigt – über unsere Hände und Arme laufen. Zudem gehört das Angeln von Fischen zum alltäglichen Ritual.

 Als die Sonne untergeht und die Nacht hereinbricht, lassen wir uns in Hängematten fallen und genießen die nächtlichen Geräusche der Natur und den spektakulären Nachthimmel. Aufgrund fehlender Lichtverschmutzung sind die Sterne dort besonders stark und in hoher Konzentration zu sehen.

 An unserem vorletzten Tag fahren wir mit dem Boot ca. 25km flussabwärts zu einem kleinen Dorf. Etwa 250 Menschen leben dort gemeinsam in kleinen Holzhütten und nach alten Traditionen. Gekocht wird auf heißen Steinen oder Glutnestern und als Haustier hält man sich hier Affen oder Faultier statt Hund und Katze. Eines, was mir besonders auffällt, ist die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Gesellschaft Kinder oder junge Menschen sind, die alle gemeinsam freudig zwischen den Häusern umherlaufen, Fußball spielen oder am Flussufer sitzen. Die Zeit hier wird gemeinsam und vor allem draußen verbracht. Menschen, die still und gefühlstechnisch isoliert in der U-Bahn sitzen und auf ihr Smartphone glotzen, würden hier wahrlich als Außerirdische gelten.

 Nach vier abenteuerlichen und angenehmen Tagen geht es zurück nach Iquitos, von wo Felix nach Lima aufbricht und ich ins Dreiländereck Kolumbien/Brasilien/Peru fliege. Auf dem Flug durchkreuzt das Flugzeug etwa 15min lang ein gigantisches Wolkenfeld aus Quellwolken über dem brasilianischen Regenwaldgebiet – ein fantastischer Anblick!

Iquitos – Eine Stadt im Dschungel

Nachdem ich einen Tag in Lima verbringe und dort Jule, Jannika und Svenja wieder treffe, mit denen ich drei Wochen zuvor bereits einiges unternahm, fliege ich am späten Abend ins 1,5h Flugstunden entfernte Iquitos, einer 400.000 Einwohner-Stadt inmitten des Regenwaldes. Da die Stadt nicht mit dem peruanischen Straßennetz verbunden ist, kann man sie nur via Luftweg oder über den Amazonas erreichen. Mit mir an Bord ist Felix, ein Kumpel aus Deutschland. Das erste, was uns in Iquitos auffällt ist, dass es kaum Autos gibt. Das Fortbewegungsmittel schlechthin sind Motortaxen, die in Unmengen über die Straßen der Stadt rollen und Fahrgäste für wenige Soles befördern. Für eine Strecke, die in Berlin etwa 15€ mit dem Taxi kostet, zahlt man hier – je nachdem wie stark man handeln kann – zwischen zwei und vier Soles, was in etwa 0,60€ bis 1,20€ entspricht. Erbaut wurde die Siedlung inmitten des Amazonas-Dschungels im Jahr 1750 und wächst seither Jahr für Jahr an. Das Straßenbild ähnelt den meisten peruanischen Städten, sodass sich das Leben insbesondere vor der Tür abspielt. Es gibt zahlreiche Straßenverkäufer und am Abend füllt sich die Plaza inmitten der Stadt mit Menschen, die sich unterhalten (lassen) oder essen.

Oft denke ich mir, dass mich so schnell nichts mehr schocken kann. Warum? Ich habe viele überfahrene Tiere, Leichen usw. auf meinen Reisen gesehen, habe extreme Armut erlebt und Menschen kennengelernt, die außergewöhnlicher kaum sein könnten. Doch ich täusche mich immer wieder. Was ich im "schwimmende Stadtviertel" Belen, einem von besonders starker Armut geprägten Stadtteil erlebe, schockiert selbst mich. Nicht nur, dass das Viertel von Müll quasi übersät ist, auch der Markt Belen, der zu den eindrucksvollsten Südamerikas zählt, lässt meinen Atem stocken. Neben der Tatsache, dass ich völlig fasziniert davon bin, was ich vor die Linse bekomme, überkommt mich neben Ekel – der insbesondere durch einen extremen Gestank und die Szenen der Schlachtverarbeitung hervorgerufen wird – auch Neugier. Wie schmeckt wohl Schildkröte oder Affe? Während ich den Markt am Morgen für etwa zwei Stunden besuche, bin ich der einzige Ausländer – zumindest sehe ich keinen zweiten. Angesehen werde ich auch immer wieder als käme ich von einem anderen Stern. Das liegt aber mitunter auch an der Mitfuhr meines Kameraequipments, das in solch armen Vierteln nicht unproblematisch ist; im Gegenteil, es ist in hohem Maße riskant. Aber was tut man nicht alles für ein gutes Foto – nüch?! Der Markt ist bunt, laut, voller Menschen und der Geruch mancher Marktviertel brennt sich tief ins Gedächtnis einer Nase ein. Tiere, von Affen über Krokodile bis hin zu Schildkröten werden dort geschlachtet, verarbeitet und verkauft; und das bei Temperaturen von mitunter über 35°C. Tausende Menschen verkaufen von Kugelschreibern bis zum Affenhirn so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann, während sie nebenbei Babys inmitten von Schlachtabfällen stillen. Am späten Nachmittag, während die Händler beim Abbau sind und die meisten Besucher den Markt bereits verlassen haben, machen sich hunderte Geier über die Reste her, die die Händler zurücklassen. Beeindruckender kann ein Markt nicht sein. Um Rücksicht auf Besucher zu nehmen, die beim Anblick solcher Szenen gelegentlich Magenprobleme bekommen, habe ich vergleichsweise "milde" Fotos online gestellt. Gegessen haben sollte man dennoch.

Huanchaco – Gefangen in der Flut

Nach 6 Tagen in Lima, wird es Zeit für einen Tapetenwechsel. Mit dem komfortablen, aber übel nach Schweiss riechenden Bus geht es ins etwa 600km entfernte Huanchaco, das an der Küste im Norden Perus liegt. Huanchaco ist eine kleiner Ort, der vorwiegend vom Tourismus und der Fischerei lebt. Dutzende Fischer fahren mit ihren Schilfbooten Tag für Tag aufs Meer hinaus und kehren nach einigen Stunden mit ihrem Fang zurück. Surfer reiten auf Wellen und Menschen genießen am Abend die letzten Sonnenstrahlen bei einem Spaziergang am Strand. Zwei Tage möchte ich hier die Seele baumeln lassen, fotografieren und baden. Aus zwei werden 16 und aus einem Traum ein Albtraum. Das Wetterphänomen El Niño zeichnet sich für einen Temperaturanstieg des Meeres von bis zu 10°C verantwortlich. Die erhöhte Verdunstung und der damit einhergehenden Verstärkung von Wolkenbildung, die sich in den Anden abregnen, sorgt dafür, dass gigantische Wassermassen Richtung Küste fließen, Straßen durch herunterkommendes Geröll unpassierbar machen, Brücken einstürzen oder ganze Häuser weggerissen werden. Hunderttausende Menschen werden obdachlos, etwa 100 kommen in den Wassermassen ums Leben. Und Huanchaco mittendrin. Als die Wassermassen den Ort erreichen und unter Wasser setzen, sitze ich gerade in einem Restaurant, esse und höre Musik. Die Besitzerin stürmt ins Lokal und fordert mich und meine Begleitung Felix dazu auf sofort das Restaurant zu verlassen. Wenige Augenblicke später wälzt sich eine braune, dreckige Welle durch den Ort. Gemeinsam mit der Bevölkerung packen wir einige Stunden später an und versuchen die Wassermassen durch Abpumpen und Füllen von Eimern, die in Menschenketten zum Meer gereicht werden, aus dem Ort zu verbannen. Allerdings wird uns auch sofort klar, dass ein Entkommen aus dieser Lage schwierig wird. Dass dem so ist, zeigt sich einen Tag später, als wir am Flughafen Trujillo, der direkt an Huanchaco grenzt, ankommen. Zwar versichern uns Militärvertreter, dass wir noch am gleichen Tag mit einer Militärmaschine ausgeflogen werden, jedoch zeigt sich wenig später, dass dem nicht so ist. Man vertröstet uns und die wartende Bevölkerung auf den Tag darauf. Nahezu 15 Stunden verbringen wir daraufhin einen Tag später am Airport, immer in der Hoffnung einen Platz in einer der Militärmaschinen zu bekommen. Am Ende des Tages müssen wir jedoch feststellen, dass unsere Hoffnungen hoffnungslos sind und Linienflüge für die nächsten neun Tage längst ausgebucht sind. Aus der Lage versuchen wir das Beste zu machen. Wir vertreiben unsere Zeit im Meer, beim Joggen und Workout am Strand, der von Treibgut übersät ist, sowie in der Wüste, die um Huanchaco liegt. Nach geschlagenen 16 Tagen kann ich Huanchaco via Flugzeug verlassen. Am frühen Morgen fliege ich nach Lima, von wo aus es am Abend weiter ins tropische Iquitos geht, einer Stadt inmitten des Amazonas-Regenwaldes.

Lima – Zwischen Kolonialzeit und Moderne

06.03.2017, 23.00 Uhr, Airport Peru Puhh...17,5h Flug, zwei Umstiege in Amsterdam und den Staaten sowie ein übelriechender Sitznachbar zwischen Atlanta und Lima zerren etwas an Kraft und Nerv. Aber was solls, ich habs nun hinter mich gebracht. Nach kurzer Zeit der Orientierungsfindung, suche ich einen Taxifahrer auf, der mich zu meiner Unterkunft im Herzen der Stadt bringen soll. Mit gebrochenem Spanisch und im Halbschlaf versuche ich mich auf der etwa 30-minütigen Fahrt mit dem Fahrer zu unterhalten. Der allerdings spielt derweil im nie enden wollenden Hupkonzert der Stadt mit, tippt nebenbei auf sein Smartphone und überfährt rote Ampeln und einen Hund. Naja...fast zumindest. Nebenbei macht er mich darauf aufmerksam keine Fotos aus dem Taxi heraus zu schießen, ein solches Verhalten locke nur Kriminelle an. Kriminell denke ich mir, ist hier nur eines: Seine Fahrweise. Im Hostel angekommen, falle ich ins Bett und schlafe trotz lauter Straßen- und Schnarchgeräuschen umgehend ein. 4,5 Stunden später ist es vorbei mit der Ruhe. Der Straßenlärm hat ohrenbetäubende Ausmaße angenommen, sodass an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Der Verkehr in Lima ist in etwa mit dem in Asien zu vergleichen, nicht ganz so chaotisch, dafür aber umso lauter. Rote Ampeln und andere Regeln werden gerne mal missachtet, mit den Hupen die Straßen der Stadt dauerhaft beschallt sowie ruckartig angefahren und gestoppt. Wenn man den Verkehr in zwei Wörtern beschreibt, trifft es chaotisch und anarchisch wohl am besten.

Die ersten beiden Tage verbringe ich im historischen Stadtkern, der zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, nehme an einer Stadttour teil, besuche ein Lichterfestival, schlendere durch die Straßen und lasse einfach die Eindrücke der Stadt und Menschen auf mich einprasseln. Bei der Tour durch die historischen Perioden Limas erhalte ich Einblicke in die präkolumbianischen, kolonialen und modernen Details der Hauptstadt Perus. Ein Detail dieser Stadt wird mir jedoch besonders im Gedächtnis bleiben: Zahllose Zeitung lesende Menschen; eine in Europa aussterbende Spezies. Zwei weitere Tage verbringe ich im Stadtteil Barranco, das im südwestlichen Teil Limas, direkt am Meer liegt. Dieser Stadtteil ist geprägt von jungen Menschen, die in bunten Cafes und Bars sitzen sowie kunstvollen Malereien und wenig ästhetischen Schmierereien, die die Fassaden der Häuser schmücken oder entsprechend schänden. Wäre Barranco ein Stadtteil Berlins, hieße es Kreuzberg. Zudem besuche ich für einige Stunden Charlottenburg, ähh Verzeihung, ich meinte Miraflores, einer der wohlhabendsten Stadtbezirke, der über viele Kulturzentren, Theater, Kinos, Kunstmuseen und gut gepflegte Grünanlagen verfügt. Hier leben insbesondere reiche Peruaner und Einwanderer aus Europa oder anderen westlichen Nationen.

Mit fast 11 Millionen Einwohnern und einer Ausdehnung des Stadtgebietes von 60 Kilometern in Nord-Süd-Richtung und rund 30 Kilometern in Ost-West-Richtung – das ist echt groß! –, zählt Lima zu den 30 größten Metropolregionen der Welt. Die Niederschlagsmenge liegt im Jahresdurchschnitt bei lediglich 9mm pro Quadratmeter. Im Grunde genommen regnet es hier nie. Zum Vergleich: In Berlin fallen im Durchschnitt knapp 500mm Regen pro Jahr und Quadratmeter. Bei so viel Sonne und über 30°C im Schatten wünscht man sich jedoch hin und wieder einen kleinen Regenschauer herbei. Aber ich möchte nicht meckern. Jammern auf diesem Niveau ist unpassend, gerade im Hinblick auf die Leserschaft dieses Blogs, die vorwiegend im nasskalten Deutschland sitzt ;-).

Danke noch an Svenja, Jannika und Jule aus Wetzlar (Nordwestliches Hessen...für alle, die nicht so bewandert sind, was Geografiekenntnisse betrifft), mit denen ich einige schöne Stunden in Lima verbringen durfte. We‘ll see each other again in Berlin ;-).

Südamerika

Hallo oder Hola wie man in Südamerika sagt.

Die Leute, die meine Reisen bisher verfolgten, taten dies auf meinem alten Blog, der auf einer Weltkarte basiert: http://durchdieweltmit.dominikbrauch.de. Das ändert sich nun! Zwar wird es auch die Karte mittelfristig wieder geben, allerdings möchte ich der Übersicht halber auch einen Blog führen, der Kategorien usw. enthält.

Nachdem ich in Nord- und Mittelamerika, Asien, Afrika, Australien und Europa war, steht nunmehr mein letzter Kontinent bevor: Südamerika. Ein beeindruckender Teil der Erde, der für Artenvielfalt, riesige Regenwaldgebiete und kulturell interessante Länder und Menschen steht. Aber auch für seine hohe Kriminalität ist Lateinamerika bekannt. Drogenhandel und -anbau, Überfälle, Entführungen und Mord stehen an der Tagesordnung. Das sind Gründe weshalb immer wieder davor gewarnt wird alleine durch Südamerika zu reisen. Dennoch habe ich mich für diese Reise entschieden. Zum einen, weil ich nach nunmehr knapp 30 bereisten Ländern die nötige Erfahrung gesammelt habe, um unbekannte und gefährliche Situationen zu meistern und zum anderen stellen Reisen für mich den bedeutsamsten Teil meines Lebens dar. Neue Länder zu entdecken und Menschen unterschiedlich geprägter Kulturen kennenzulernen, sind für mich wie die Luft zum Atmen. Und ein Kontinent, der soviel atemberaubende Landschaften, hochinteressante Kulturen, Geschichte und Menschen bietet, darf in der Sammlung eines Weltreisenden nicht fehlen.

Wie immer reise ich ohne ein wirkliches Ziel vor Augen, ich lasse mich treiben und entscheide spontan wohin es mich verschlägt. Man darf also gespannt sein! :-)

Ich wünsche allen Besuchern in den kommenden drei Monaten viel Freude beim Lesen meiner Berichte, beim Durchstöbern der Fotos oder Betrachten der Videos.

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